Wer wissen möchte, warum man im Schweizer Süden gerne etwas länger sitzen bleibt, sollte ein Grotto besuchen. Vielleicht treffen die traditionellen Tessiner Restaurants heute mehr denn je unsere Sehnsucht nach dem Einfachen. Und während Foodtrends kommen und gehen, lässt man sich hier seit Generationen nicht aus der Ruhe bringen.
Ursprünglich waren Grotti kleine Steinkeller, in denen Wein, Käse und andere Lebensmittel natürlich kühl blieben. Viele wurden später zu Gaststätten in Felsen oder unter Bäumen, mit Granittischen und einer Küche, die alles Modische lieber vorbeiziehen lässt.
Wie viel Besonderes in dieser Einfachheit stecken kann, zeigen diese vier Beispiele besonders schön: Das Grotto America in Ponte Brolla liegt zwischen Fels und Maggia – und hat eine Geschichte, die weit über das Tessin hinausführt. Seinen Namen verdankt es Tessiner Auswanderern, die sich hier einst stärkten, bevor sie die Reise nach Amerika antraten. Im Grotto Raffael in Losone werden die Gnocchi noch von Hand gemacht und für den Brasato kommt Tessiner Fleisch in den Bräter. Weiter südlich, am Fuss des Monte Generoso, gart im Grotto Bundi in Mendrisio die Polenta über dem Feuer und wird mit Fleisch, Wild oder Pilzen serviert. Und wer fürs Mittagessen gerne weiter ins Tal fährt, findet im Ristorante La Froda in Foroglio eine Küche, die konsequent der Jahreszeit folgt. Im September stehen dort unter anderem Hirsch und Gämse auf der Karte, wenige Schritte entfernt stürzt ein imposanter Wasserfall über die Felsen.