Restaurant «Zur Gedult», Burgdorf
Zwanzig Gäste, ein Menü, ein Koch: In der «Gedult» ist alles eine Nummer kleiner als anderswo. Bei den Auszeichnungen ist es umgekehrt.
Spitzengastronomie im kleinen Kreis
Das Haus an der gepflasterten Metzgergasse stammt von 1716. Gewirtet wird darin seit 1896. Lukas Kiener steht seit 2015 am Herd und hat die «Gedult» weit über Burgdorf hinaus bekannt gemacht: 2019 kam der Michelin-Stern, heute sind es dazu 17 Gault&Millau-Punkte. Und auch bei den Grandes Tables Suisses gehört Kiener inzwischen zu den Mitgliedern. Für ein so kleines Haus ist das ungewöhnlich.
Knapp 20 Gäste sitzen an alten Bistro-Tischen – ein Rahmen, wie gemacht für einen Abend zu zweit. Kiener kocht modern und leicht, regional und saisonal; alle paar Wochen entsteht ein neues Menü. Er kreiert und kocht es allein: Auf der Website heisst er deshalb «Solo-Künstler».
Ähnlich persönlich geht es beim Wein weiter. Wenn immer möglich, stammen die Flaschen von Winzerinnen und Winzern, die das Team selbst kennt. Wer wissen möchte, was zum Menü passt, bekommt hier also mehr als eine Verkostungsnotiz – oft steckt hinter der Flasche auch eine Geschichte aus erster Hand. Und was passt besser zum Abend zu zweit, als authentische Geschichten?
Was bestellen die Gäste, was liebt der Chef?
Sich selbst serviert der Chef am liebsten «Kalbskopfbäggli» mit Zwiebelkonfit und Beerenketchup. Seine Gäste mögen Jakobsmuscheln mit Passionsfrucht, Ingwer und Soja-Espuma.