Erholsames Winterwandern mit Wein und Versen

Auch in der kühlen Jahreszeit kann man sich körperlich und zugleich geistig erfrischen. Beispiele dafür sind drei beschauliche Wanderungen auf den Spuren des Dramatikers Carl Zuckmayer durch die Lärchenwälder oberhalb von Saas-Fee, des Lyrikers Rainer Maria Rilke durch die Walliser Rebberge zwischen Salgesch und Sierre sowie des Schweizer Schriftstellers Alain Claude Sulzer in Sils-Maria im Engadin. Sie alle verbinden Wandern mit Kultur – sowie mit Wein und gutem Essen.

Wandern mit Carl Zuckmayer in Saas-Fee

  • Carl Zuckmayer

Der nach dem deutschen Schriftsteller Carl Zuckmayer benannte Wanderweg beginnt beim Chalet «Vogelweid» im Walliser Ferienort Saas-Fee und endet am gleichen Ort. Der Dramatiker lebte hier von 1958 bis zu seinem Tod 1977. Saas-Fee war für ihn ein magischer Ort, «in weit ausschwingende Matten eingebettet, von ansteigenden Lärchen- und Arvenwäldern gesäumt und von so viel Himmel überwölbt, dass man – ähnlich wie auf einer offenen See – nach allen Seiten Freiheit und Weite verspürt.» So beschrieb Carl Zuckmayer in seiner Autobiografie «Als wär’s ein Stück von mir» den Ort, wo er seine Ruhe fand.
Die leichte Wanderung auf dem Weg auf den Spuren des Schriftstellers durch die Lärchenwälder oberhalb von Saas-Fee, der auch im Winter begangen werden kann, dauert rund neunzig Minuten. Sie stellt keine besonderen Anforderungen an interessierte Wanderer. Höchster Punkt mit 2030 Metern ist das Café Alpenblick mit seinem rustikalen Interieur, dessen Luxus die Terrasse mit ihrem Ausblick ist. Hier verweilte Zuckmayer bei seinen täglichen Wanderungen, um sich zu stärken, nachzudenken und zu schreiben. Man versteht die Begeisterung des Schriftstellers. Denn von hier aus bietet sich dem Betrachter auch heute eine einmalige Sicht auf den Kranz der Viertausender über dem Hochtal von Saas-Fee, auf die «gotischen Kathedralentürme», wie Zuckmayer sie in seiner Autobiografie nannte.

Mit Rainer Maria Rilke durch die Walliser Rebberge

  • Rainer Maria Rilke
  • Rainer Maria Rilke

Der Sentier viticole, der Walliser Rebweg, führt von Salgesch nach Sierre. Die Wanderung mit einem umwerfenden Blick auf das Rhonetal und auf die sich am Horizont auftürmenden Viertausender dauert rund eineinhalb Stunden. Es ist eher ein Spaziergang, der keine Ausdauer erfordert. Der Dichter Rainer Maria Rilke verbrachte hier die letzten Jahre seines unsteten Lebens. Von 1921 bis 1926 lebte er im Château de Muzot, einem Wohnturm aus dem 13. Jahrhundert oberhalb von Sierre. Fast täglich wanderte er durch die hügeligen Rebberge. Hier entstanden die «Quatrains Valaisans» (Walliser Vierzeiler), eine Liebeserklärung an das Wallis. Er schrieb sie in französischer Sprache, denn er wollte sich seiner neuen Heimat mit Versen in deren Sprache annähern. Der Wanderweg durch Rilkes Landschaft, auf dem man auf Schautafeln auch viel über die Walliser Weine erfährt, führt kurz hinter Salgesch durch die Raspille-Schlucht. Sie bildet die deutsch-französische Sprachgrenze. Der Weg endet beim Château de Villa in Sierre, in dem sich die grösste Walliser Vinothek befindet. In einem schönen Ambiente bietet sich zum Ausklang der Wanderung durch die Rebberge die Möglichkeit, die lokalen Weine zu geniessen und sich mit Walliser Spezialitäten zu stärken.

Après une journée de vent,
dans une paix infinie,
le soir se réconcilie
comme un docile amant.

Tout devient calme, clarté...
Mais à l’horizon s’étage,
éclairé et doré,
un beau bas-relief de nuages.

Einer der Walliser Vierzeiler von Rilke

Unterwegs mit Alain Claude Sulzer in Sils-Maria

  • Alain Claude Sulzer
  • Alain Claude Sulzer

Sils-Maria liegt in der einzigartigen Berg- und Seenlandschaft des Oberengadins, am Eingang zum malerischen, unverbauten und stillen Fextal, einem Wanderparadies zu jeder Jahreszeit, gerade auch im Winter. Verschiedene Wege führen in den hinteren Teil des Tals, dem Bach oder den Hängen entlang, aber auch über die Bergrücken. Auf dem kürzesten Weg braucht man neunzig Minuten, auf dem längeren und anstrengenden mehrere Stunden. Wer unten im Tal wandert, sollte auf halbem Weg in Fex Curtins eine Pause einlegen und das dortige Kirchlein mit seinen wunderbaren Fresken aus dem frühen 16. Jahrhundert besuchen. Als Alternative zum Wandern kann man im Winter wie im Sommer auch per Pferdekutsche ins Fextal gelangen.
Die Region von Sils-Maria mit dem1908 eröffneten historischen Hotel Waldhaus, das majestätisch über dem Ort thront, hat schon immer viele Künstler und Intellektuelle von überall her angelockt, unter ihnen auch den Schweizer Schriftsteller Alain Claude Sulzer. Weite Teile seines 2015 erschienen Romans «Postskriptum» spielen in Sils-Maria und im Waldhaus mit seiner einmaligen Sicht auf den Silsersee und die Bergwelt des Engadins. Hermann Hesse bezeichnete das legendäre Waldhaus als «vorgeträumtes Paradies». Und so kann man sich, nach einem kürzeren oder auch längeren Streifzug durch das zauberhafte Fextal, mit einem Glas Wein in einen der Sessel in der Grand Hall setzen und zuschauen, wie hinter der grosszügigen Fensterfront Schneeflocken lautlos auf die Bäume fallen.

«Die kurze Abenddämmerung hatte bereits eingesetzt, als er sich auf den Weg zum Waldhaus machte. Diesmal würde er sich nicht damit zufriedengeben, das Hotel von aussen zu betrachten (...) Vor dem Hotel warteten mehrere Kutschen auf Kundschaft. Von den Nüstern der nervösen Pferde stieg Dampf auf. Kurz nach fünf betrat Walter die Empfangshalle durch die Drehtür, und niemand hinderte ihn daran.»
Auszug aus Alain Claude Sulzers Roman «Postskriptum» (Verlag Galiani Berlin)

Sils-Maria endet dort, wo das Fextal beginnt, auf jener Anhöhe, auf der unübersehbar das Hotel Waldhaus regiert: eine Trutzburg, die ihr eigener Berg ist, indem sie alles überragt, was ihr gefährlich werden könnte: Vergangenheit und Zukunft gleichermassen. Hier verschmelzen sie miteinander und mokieren sich über die Zumutungen der Gegenwart. Das eine war schon, das andere wird erst sein; in der Sekunde dazwischen schauen wir weiter.
Alain Claude Sulzer, Oktober 2020

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